15. Gold!
Die nächsten Tage waren sonnig. Eva besserte heiter die beiden
Wohnnester aus. Sie schnürte die Bodenstäbe mit Waldreben an den
Ästen fest, durchflocht die Wände mit biegsamen Ranken, polsterte die
Lager mit Moos aus, das sie zuvor an der Sonne getrocknet hatte, und
vergaß auch nicht, Büschel von gelbem Steinklee und Stinkender
Nieswurz einzulegen, die das Ungeziefer fernhalten sollten. Peter trieb sich
meist draußen herum. Er war schon zweimal zur großen
Brandstätte im Urwald gegangen, wo er von den angekohlten Baumriesen
Brennholz brechen konnte. Jetzt drang er zu der Stelle vor, wo er im
Gerbtümpel seine großen Fellvorräte eingelagert hatte. Nur an
den Bäumen erkannte er den Ort wieder. Der Tümpel lag voll Lehm, Sand
und Geröll, das der Klammbach aus seinem Bett herübergeräumt
hatte. Ob die Felle darunterlagen?
Mit beiden Händen begann er zu wühlen; ungefähr in
Kniehöhe traf er auf die Beschwersteine. Seine tastenden Füße
fühlten die weich aufgequollenen Häute. Aber der nachdringende
Schlamm füllte die Grube wieder. Peter mußte die Felle lassen, wo
sie waren, bis der Wasserspiegel sich gesenkt hatte. Im seichten
Bocksgrabenbach säuberte er sich Hände und Füße. Dann
eilte er zu Eva. Er fand sie neben der Feuerstelle damit beschäftigt,
eines der Goldkörner mit einem Jaspissplitter zu durchbohren.
»Was willst denn damit?«
»Auffädeln will ich's, um den Hals will ich's tragen;
schau, es läßt sich bohren.«
Da griff er danach und machte große Augen. In feinen
Spänen kräuselte sich das Metall an der Bohrstelle auf. Das war ja
weich! Peter wendete das Korn hin und her,
legte es
dann vorsichtig auf sein Steinbeil und drückte kräftig mit einem
Fauststein darauf. Eine Narbe war entstanden. Es gab dem Druck nach! Und dann
begann er es zu klopfen, unbekümmert um Evas Einwände: »Es
gehört mir, du hast mir's geschenkt, du darfst es nicht
zerschlagen!«
Schon nach wenigen Schlägen war das Korn flach geworden. Jetzt
hämmerte Peter darauf los. Er war etwas Neuem auf der Spur. Und sooft Eva
ihm in den Arm fiel, schob er sie beiseite. In seinem Kopfe drängten sich
die Gedanken. Wenn das Gold sich flachschlagen ließ, konnte man ja daraus
machen, was man wollte! Erst als er es zu einem Blättchen geschmiedet
hatte, so groß wie sein Daumennagel, hörte er auf. Dann durchbohrte
er es mühelos mit seiner Pfeilspitze und reichte es Eva hin: »Da,
häng's dir um.« Die zahllosen Narben glitzerten und flimmerten,
entzückt fädelte Eva das Schmuckstück neben das
Fingerknöchelchen der Ahnl auf die Halsschnur. Dann gab sie Peter das
andere Goldkorn und machte sich ans Kochen. Er war jedoch nicht zu bewegen, ihr
noch weiteren Halsschmuck zu schmieden, und erklärte rundweg, das Korn
gebe er nicht mehr her. »Erst hast's mir g'schenkt, und jetzt nimmst es
wieder!« warf Eva ihm vor, er aber lachte und behielt es – er war
ja der Stärkere.
Noch mehr Goldkörner wollte er suchen, nußgroße,
wenn möglich oder gar faustgroße Klumpen. Daraus ließe sich
eine wuchtige Keule oder eine Trinkschale herstellen oder – etwas
anderes. Seine Phantasie spiegelte ihm eine goldene Zeit vor, die jetzt kommen
mußte. Wie behext von diesem Edelmetall, das sich kalt schmieden
ließ, hielt er es für unbegrenzt verwendbar. Eva verlegte sich aufs
Bitten; das Goldkorn gehörte ja ihr. Und als sie mit Bitten nichts
ausrichtete, begann sie zu schimpfen und zu weinen; sie versuchte sogar, ihm
das gelbe Korn zu entreißen. Die
starke
Faust, die das Gold umklammert hielt, stieß Eva zurück, daß
sie taumelte.
Mit dem Gold war ein unguter Geist ins Leben der beiden jungen
Menschen gekommen: die Besitzgier.